
Wenn Trauer das Leben bestimmtTrauer kann laut sein, meist aber eher leise. Sie kommt oft ohne Worte, mit oder manchmal sogar ohne Tränen – und immer ist sie so überwältigend präsent. Viele Menschen tragen sie mit sich, tief im Inneren, weil sie das Gefühl haben, damit allein zurechtkommen zu müssen. Doch Trauer braucht Raum, Zeit – und manchmal auch Begleitung.
Wenn wir von Trauer sprechen, denken wir meist an den Verlust eines geliebten Menschen. An Sterben, Tod – und an all die Gefühle, die damit einhergehen. Und obwohl jeder Mensch im Laufe seines Lebens damit konfrontiert wird, ist dieses Thema noch immer mit einem gesellschaftlichen Tabu belegt. Es fehlt oft an Sprache, an Ritualen, an Verständnis. Viele fühlen sich in ihrer Trauer allein, manchmal sogar fehl am Platz – besonders dann, wenn das Umfeld nicht „versteht“, warum jemand so tief betroffen ist.
Was oft vergessen wird: Wie stark ein Verlust empfunden wird, hängt nicht allein von der Nähe zur verstorbenen Person ab – sondern von der individuellen Beziehung, den Erinnerungen, den unausgesprochenen Worten. Auch der Tod eines Tieres, der Verlust eines langgehegten Lebensplans, das Ende einer Partnerschaft oder eine gravierende Lebensveränderung können tiefe Trauer auslösen – oder auch andere Lebensumbrüche, wie eine Trennung, der Auszug der Kinder, der Verlust des Arbeitsplatzes oder eine schwere Diagnose, bringen Gefühle von Schmerz, Leere und Orientierungslosigkeit mit sich. Und genau diese Gefühle dürfen Raum bekommen.
Doch oft trauen sich Betroffene nicht, diese Form von Trauer zu zeigen – aus Angst, nicht ernst genommen zu werden. Zu oft wird Trauer „heruntergeschluckt“, weil sie als „unangemessen“ empfunden wird. Dabei ist sie ein zutiefst menschlicher Ausdruck von Verbindung, von Liebe, von Loslassen.
Es gibt keinen festen Weg, keine allgemeingültige Anleitung, selbst wenn einige Phasenmodelle hilfreich sind und versuchen, den Trauerprozess erklärbar und begreifbar zu machen. Trauer ist so individuell wie das Leben selbst. Sie kann laut oder still sein, kommen und gehen, Wellen schlagen – und manchmal bleibt sie ganz leise, über lange Zeit. Wichtig ist nur: Sie darf da sein.
Wer das Gefühl hat, im eigenen Umfeld nicht offen sprechen zu können – aus Rücksicht, aus Angst, nicht verstanden zu werden – darf sich professionelle Begleitung suchen. In einem geschützten Rahmen finden Gedanken, Erinnerungen und Gefühle ihren Platz. Hier darf alles gesagt werden – oder auch einfach nur gespürt werden.
Trauer ist nicht nur ein seelischer, sondern auch ein körperlicher Prozess. Sie kann müde machen, schwer, kann wahrhaft schmerzhaft sein. Gerade deshalb ist es wichtig, sich dem ganzheitlich zuzuwenden – achtsam, behutsam, mit Mitgefühl für sich selbst. Jeder Mensch durchläuft den Trauerprozess auf seine eigene Weise – und manchmal helfen bereits kleine Schritte, um sich wieder ein Stück näher zu kommen. Trauergefühle entschleunigen und bringen in engen Kontakt … mit sich selbst.
Manche Menschen stellen sich in Zeiten der Trauer ganz neue Fragen, vorallem beim Thema Tod und Sterben: Was passiert nach dem Tod? Gibt es mehr als das, was wir sehen? Was bedeutet diese Erfahrung für mein Leben, meine Seele?
In gemeinsamen Gesprächen darf es auch um diese tieferen, spirituellen Fragen gehen. Um mystische Erfahrungen, die vielleicht niemand im Umfeld (Familie, Freunde, Kolleg:innen) sonst versteht. Um die Sehnsucht nach Verbindung, um das, was wir nicht erklären können, aber dennoch fühlen. Ich biete Raum für all das – für Gespräche über das Leben, das Sterben, das Danach. Für das, was bleibt, wenn Worte fehlen.
Trauen Sie sich, zu trauern.
Was Sie verloren haben, war wichtig.
Und Ihre Trauer ist es auch.
Für Terminvereinbarungen wenden Sie sich gerne per mail an mich office@lebens-t-raeume.co.at oder telefonisch unter 0676 / 6214247.
Artikel erschienen in der Beilage der Salzburger Nachrichten 23.10.2019, Lebensberater-Guide
